Ist mineralölfreie Kosmetik immer besser?

Öle gehören zu den vielseitigsten Kosmetik-Inhaltsstoffen. Das geht schon bei ihrer Gewinnung los. Abhängig davon lassen sich kosmetische Fette in drei Gruppen einteilen: Mineralöle, Pflanzenöle und Neutralöle. Doch worin unterscheiden sie sich und ist mineralölfreie Kosmetik immer besser für deine Haut? In diesem Beitrag erfährst du, welche Eigenschaften synthetische und natürliche Öle mitbringen. So kannst du leichter entscheiden, welche Art von Öl für deine Haut die beste Lösung ist.

 

 Ist mineralölfreie Kosmetik immer besser? | Five Skincare

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Nährend oder reizarm, was darf es sein?

Öle erfüllen ganz unterschiedliche Aufgaben in der Hautpflege, denn jedes Öl besitzt andere Vorzüge. Welche das sind, hängt davon ab, wie gut die Haut es aufnehmen und verarbeiten kann. Hier gilt der Grundsatz: Je mehr die Haut mit einem Inhaltsstoff anfangen kann, desto höher das Reizpotential. Einerseits gibt mineralölfreie Kosmetik deiner Haut mehr zu tun. Andererseits bieten sehr reizarme Inhaltsstoffe der Haut keinen Nährwert.

Das ist wie mit dem Sport. Eine gute Fitness ist auf jeden Fall sinnvoll. Doch wenn du dich nicht wohlfühlst, ist Schonung angesagt. Genauso darf gesunde Haut ruhig etwas gefordert werden. Sie braucht Nährstoffe um normal zu funktionieren. Doch bestimmte Hautzustände wollen mit Samthandschuhen angefasst werden. Stark geschädigte und zu Allergien neigende Haut ist mit Naturkosmetik vielleicht überfordert. Sie reagiert womöglich besser auf besonders reizarme synthetische Produkte.

☝️ Das heisst nicht, dass Naturkosmetik generell Irritationen hervorruft. Auch hier gibt es besonders milde Öle, die sich sogar für zarte Babyhaut und sensible Hauttypen eignen. Gleichzeitig enthalten herkömmliche Kosmetika häufig andere Inhaltsstoffe, die die Haut austrocknen oder reizen.

Pflanzenöle und Mineralöle sind grundverschieden aufgebaut

Die Textur mag ähnlich sein, doch in der Wirkung unterscheiden sich synthetisch hergestellte und natürliche Öle ganz deutlich. Das liegt an ihrer Zusammensetzung. Schauen wir doch mal genauer hin, wie die einzelnen Ölarten strukturiert sind und welche Vor- und Nachteile mineralölhaltige und mineralölfreie Kosmetik deshalb mit sich bringt.

Pflanzliche Öle

Bei Pflanzenölen handelt es sich um Triglyceride. Sie setzen sich aus verschiedenen Fettsäuren zusammen, die mit Glycerin gebunden sind. Diese Fettsäuren kommen auch in der Haut vor. Pflanzenöle können deshalb von unserer Haut aufgenommen und verstoffwechselt werden. Sie gliedern sich in deine eigenen Lipide (Hautfette) mit ein. Hier ist also alles verwertbar.

Ähnlich sieht es mit pflanzlichen Wachsen aus, wie dem Jojobaöl (denn das ist eigentlich kein Öl, sondern ein Wachs), nur dass die Fettsäuren hier nicht mit Glycerin, sondern mit einem Fettalkohol gebunden werden.

  • Reich an Fettsäuren wie Linolsäure, Ölsäure, Palmitinsäure und mehr
  • Reich an sekundären Pflanzenstoffen wie Antioxidantien

Einsatz von Pflanzenölen

Pflanzliche Öle begegnen dir in der Naturkosmetik, wo sie als Basis- und Wirkstofföl verwendet werden. Sie erfüllen viele Funktionen zugleich: Vitamine in die Haut transportieren, die Hautbarriere von innen reparieren und sich schützend darüber legen. Wegen ihrer nährenden Wirkung sind natürliche Öle auch in konventioneller Kosmetik geschätzt, kommen aber in geringeren Dosen vor. So wird einer Handcreme schon mal Arganöl beigemischt, während die Basis ein Paraffinöl bildet.  

So wirken Pflanzenöle

Natürliche Öle und Wachse sind der Haut sehr ähnlich. Sie kann sie problemlos aufspalten und die einzelnen Wirkstoffe weiterverarbeiten. Du kannst dir diese Öle wie Nahrung vorstellen, nur dass sie nicht im Magen-Darm-Trakt, sondern direkt in den Hautzellen verstoffwechselt werden.

Nun besitzen Fettsäuren wie Ölsäure, Linolsäure und so weiter ganz verschiedene Eigenschaften, die in pflanzlichen Ölen individuell kombiniert werden. Ausserdem sind sie reich an sekundären Pflanzenstoffen wie zum Beispiel Vitaminen, Provitaminen und Phytosterinen. Deshalb findest du bei natürlichen Ölen ein so breites Wirkspektrum vor. Hier wird eigentlich jeder Hauttyp und -zustand bedient.

☝️Lesetipp: Pflanzenöle gibt es viele. Wie also triffst du die richtige Auswahl für die Bedürfnisse deiner Haut? Sieh mal hier nach: Welches Öl ist gut für trockene Haut? Und welches Öl für unreine Haut?

Neutralöle

Neutralöle sind synthetisch umgearbeitete Pflanzenöle. Wegen ihrer Struktur aus mittelkettigen Fettsäuren werden sie auch MCT-Öle genannt für Medium Chain Triglycerides. Man nimmt zum Beispiel Kokos- oder Palmöl und spaltet die einzelnen Ölsäuren vom Glycerin ab. Dann pickt man sich bestimmte heraus und verbindet sie erneut mittels Glycerin oder verestert sie mit einem Fettalkohol. Alle sekundären Pflanzenstoffe gehen bei dem Prozess allerdings verloren.

  • Enthalten hautähnliche Fettsäuren
  • Äusserst reizarm

Einsatz von MCT-Ölen

Neutraöle werden in der Naturkosmetik vor allem da eingesetzt, wo es auf eine besonders gute Verträglichkeit oder Oxidationsstabilität ankommt. Allerdings nur in begrenztem Umfang. Wie hoch ihr Anteil im Produkt genau sein darf, ist je nach Zertifikat eigen geregelt. Am häufigsten verwendet wird das Neutralöl Capric/Caprylic Triglyceride. Diese Bezeichnung kann dir also schon mal auf der INIC-Liste begegnen.

☝️ FIVE verwendet bisher kein Neutralöl, sondern Squalan in den Gesichtsölen. Es ergänzt das Jojobaöl und die Wirkstofföle ideal. Die Rezeptur ist angenehm leicht und steckt trotzdem voller sekundärer Pflanzenstoffe.

Zweck von Neutralölen

Neutralöle bereiten dir im Handumdrehen ein sehr angenehmes Hautgefühl. Als sogenannte Schnellspreiter verteilen sie sich wie von selbst und fühlen sich wunderbar leicht an. Sie werden häufig verwendet, um dem Produkt eine zartschmelzende Textur zu verleihen. So eignen sich sich bestens für dekorative Kosmetik. Eine Foundation soll sich schliesslich mühelos auftragen lassen.

Gleichzeitig sind MCT-Öle oxidativ stabil. Das ist vor allem beim Sonnenschutz wichtig. Der Sun Screen soll ja den Stress, den die UV-Strahlung hervorruft verringern. Würde aber das Produkt selbst oxidieren, wäre genau das Gegenteil der Fall.

👍 Fazit: Auch wenn Neutralöle an Natürlichkeit einbüssen, haben sie durchaus ihre Berechtigung in besonders reizarmen Rezepturen, Make-up und im Sonnenschutz.

Mineralöle

Mineralöle sind Kohlenwasserstoffe, die aus stark raffiniertem Erdöl gewonnen werden. Sie kommen in verschiedenen Texturen von vollokklusiv (meint abdeckend) bis etwas leichter daher. Sie haben mit der Haut nichts gemein und enthalten keine verwertbaren Nährstoffe. Sie sind für deine Haut ein Fremdkörper, aber gut verträglich. Denn wer nicht interagiert, irritiert auch nicht.

  • Sehr geringes Reiz- und Allergiepotenzial
  • Kein Nährwert

📖 Im INCI-Jargon heissen Mineralöle Petrolatum, Paraffinum Liquidum, Paraffinum Subliquidum, Cera Microcristallina, Microcrystalline Wax, Ozokerit, Ceresin oder auch Vaseline.

Einsatz von Mineralölen

Mineralöle kommen nur in herkömmlicher Kosmetik vor, nicht in der Naturkosmetik. Da es hier nichts Verwertbares gibt, verbleiben sie ausschliesslich auf der Oberfläche und legen sich wie ein Film darüber. Sie sind quasi die Frischhaltefolien der Kosmetik.

Mineralöle haben Vorzüge für stark barrieregeschädigte Haut. Sie nehmen ihr die Schutzfunktion ab, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit entweicht. Allerdings kommen sie auch in Produkten für gesunde Haut reichlich vor, weil sie preiswert und lange haltbar sind.

Die Stärke der Paraffinöle ist der Soforteffekt

Mineralöle erfüllen in der Hautpflege einzig den Zweck, Feuchtigkeit in der Haut einzuschliessen. Sie dichten ab und glätten die Oberfläche, sodass kein Wasser verdunstet. Dadurch quillt die Haut ein wenig auf, was sie praller aussehen lässt. Praller, glatter, ebenmässiger – das klingt doch nach den Top-Werbeversprechen für Beauty-Produkte! Und du siehst sofort Resultate.

Leider sind sie nicht nachhaltig. Durch den abdichtenden Effekt wird die Haut träge und verringert ihre eigenen Prozesse. Daher kommt auch das Gefühl «abhängig» von einem Produkt zu sein, das du vielleicht von einem Lipgloss kennst.

Mitunter sinnvoll ist der Einsatz dieser reizarmen Öle bei äusserst empfindlicher oder geschädigter Haut und für Allergiker, die auf Pflanzenöle reagieren. Allerdings solltest du dann auch sicherstellen, dass dein Pflegeprodukt die Haut nicht mit anderen aggressiven Inhaltsstoffen reizt. So enthalten herkömmliche Kosmetika häufig auch Parabene oder Alkohole. Achte hier auf das ganze Paket!

Die Vor- und Nachteile im Überblick

Mineralöle sind der Haut unähnlich. Sie kann sie nicht zu verwertbaren Lipiden aufspalten.

🙂 Vorteile: Sehr geringes Allergiepotential, reizarm und lange haltbar
😕 Nachteile: Nicht nährend, wirken rein oberflächlich und kurzfristig
👉 In Naturkosmetik kommen Mineralöle nicht vor

Neutralöle werden synthetisch aus Pflanzenölen hergestellt.

🙂 Vorteile: Lange Haltbarkeit, reizarm und eine leichte Textur
😕 Nachteile: Keine sekundären Pflanzenstoffe
👉 Kommen in Naturkosmetik begrenzt vor und ersetzen Pflanzenöle zum Beispiel in Sonnencremes, weil sie oxidationsstabil sind.

Pflanzenöle sind hauteigenen Lipiden sehr ähnlich. Sie werden von der Haut aufgenommen und verarbeitet.

🙂 Vorteile: Hoher Nährwert, sekundäre Pflanzenstoffe bleiben erhalten, deshalb grosse Bandbreite an Texturen und Eigenschaften
😕 Nachteile: Hochpreisiger, weniger lange haltbar und durch die höhere Interaktion mit der Haut sind Allergien und Reizungen möglich
👉 Ein Naturprodukt mit vielen Vorzügen: Pflanzenöle nähren und pflegen deine Haut.

Ist mineralölfreie Kosmetik für dich die beste Lösung?

Das hängt davon ab, wie deine Haut beschaffen ist und welche Art von Ergebnissen du erzielen möchtest. Alle Öle haben ihre Stärken und Schwächen.

  • Wenn du deine Haut nähren und pflegen möchtest, versorge sie mit verwertbaren Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffen. Produkte mit einem grösseren Anteil an kaltgepressten Pflanzenölen sind hier das Richtige.
  • Wenn sich deine Haut davon überfordert zeigt, sind reizarme Neutral- oder Mineralöle eine mögliche Alternative.

🌱 Übrigens kann es ein paar Wochen dauern, bis sich deine Haut an Naturkosmetik gewöhnt. In dieser Zeit kann sie schon mal aufmucken. Warum und wie lange verrät dir der Beitrag Hauterneuerung: Wie schnell gewöhnt sich deine Haut an neue Pflege?

Unsere Naturkosmetik

«Keine Creme sollte mehr Inhaltsstoffe haben, als du an einer Hand abzählen kannst.»

Anna Pfeiffer